Wohnungskatze artgerecht beschäftigen

Eine Katze ohne Freigang braucht Aufgaben für Körper und Kopf. Mit den richtigen Angeboten wird die Wohnung zum Revier, in dem keine Langeweile aufkommt.

Illustration: Eine Katze sitzt auf einem Kratzbaum und spielt mit einer Spielangel

Warum Beschäftigung so wichtig ist

Katzen sind Jäger. Draußen füllen Beobachten, Anschleichen und Jagen einen großen Teil des Tages, in der Wohnung fällt dieses Programm weg. Wird der Jagdtrieb nicht anders bedient, suchen sich viele Katzen Ersatz: Sie kratzen an Möbeln, werden nachts aktiv, fressen aus Langeweile oder ziehen sich zurück. Regelmäßige Beschäftigung beugt Übergewicht und Verhaltensproblemen vor und stärkt nebenbei die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Tier. Verändert sich das Verhalten Ihrer Katze plötzlich deutlich, etwa durch anhaltende Teilnahmslosigkeit oder Unsauberkeit, sollten Sie das tierärztlich abklären lassen, denn dahinter kann auch eine Erkrankung stecken.

Klettern und Kratzen: die dritte Dimension nutzen

Katzen denken in Höhen. Ein stabiler Kratzbaum mit erhöhten Liegeflächen ist die Basis, ideal ergänzt durch Wandregale, einen Platz auf dem Schrank oder ein Brett am Fenster. So entstehen Wege durch die Wohnung, die nicht über den Boden führen. Kratzgelegenheiten sollten an mehreren Stellen stehen, denn Kratzen dient nicht nur der Krallenpflege, sondern auch der Reviermarkierung und dem Stressabbau. Wer Sofa und Tapete schonen will, platziert Kratzbrett oder Kratztonne genau dort, wo die Katze ohnehin gern kratzt.

Futtersuche statt voller Napf

Im Napf ist das Futter in wenigen Minuten verschwunden, dabei lässt sich die Mahlzeit hervorragend zur Beschäftigung nutzen. Fummelbretter und Futterbälle geben Trockenfutter erst frei, wenn die Katze mit Pfoten und Kopf arbeitet. Genauso wirksam ist es, kleine Portionen in der Wohnung zu verstecken und die Katze suchen zu lassen. Wer nicht kaufen möchte, baut selbst: Ein Eierkarton mit Futterstücken in den Mulden oder aufgestellte Papprollen mit Leckerlis darin fordern Geschick, ganz ohne Kosten. Wichtig ist, die Tagesration im Blick zu behalten, damit aus der Beschäftigung keine Zusatzfütterung wird.

Jagdspiele mit der Spielangel

Die Spielangel ist das beste Werkzeug, um den Jagdablauf nachzubilden: fixieren, anschleichen, hetzen, packen. Lassen Sie die Beute am Ende der Schnur wie ein Beutetier flüchten, über den Boden huschen und sich verstecken, statt sie der Katze vor der Nase hin und her zu wedeln. Beenden Sie das Spiel immer mit einem Erfolg, also einem Fang, gern gefolgt von einem kleinen Leckerli. Beim Laserpointer fehlt genau dieses Erfolgserlebnis, weshalb er allenfalls kurz und mit greifbarem Abschluss eingesetzt werden sollte. Schnüre, Gummibänder und Spielzeug mit Kleinteilen gehören nach dem Spiel weggeräumt, denn verschluckte Fäden können gefährlich werden.

Fensterplätze und Rückzugsorte

Ein Fensterplatz mit Blick auf Straße, Garten oder Vogelfutterstelle ist Katzenfernsehen im besten Sinn und beschäftigt auch dann, wenn Sie nicht zu Hause sind. Ein Kissen auf der Fensterbank oder eine Liegemulde mit Fensterhalterung reichen dafür aus. Kippfenster und Balkone sollten mit Schutzgittern oder einem Katzennetz gesichert sein. Ebenso wichtig sind Rückzugsorte: Höhlen, Kartons oder eine Decke im Schrank geben Ihrer Katze die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und ungestört zu ruhen. Eine Katze, die schläft oder sich versteckt hat, sollte nicht zum Spielen hervorgeholt werden.

Feste Spielzeiten und Abwechslung

Mehrere kurze Einheiten am Tag bringen mehr als eine lange. Schon zwei bis drei Runden von jeweils zehn bis fünfzehn Minuten, möglichst zu festen Zeiten, geben dem Tag Struktur. Viele Katzen sind morgens und abends besonders aktiv, das sind gute Zeitfenster. Lassen Sie außerdem nicht alle Spielzeuge dauerhaft herumliegen, sondern tauschen Sie das Angebot regelmäßig aus. Was zwei Wochen in der Schublade lag, ist danach wieder interessant.

Eine zweite Katze als Überlegung

Ein Artgenosse kann viel Beschäftigung übernehmen, gemeinsames Spielen, Raufen und Ruhen inklusive. Gerade für junge, aktive Katzen in reiner Wohnungshaltung ist eine Zweitkatze oft eine gute Lösung. Sie ersetzt aber weder Spielzeiten mit Ihnen noch passt sie zu jedem Tier: Alter, Temperament und bisherige Erfahrungen müssen zusammenpassen, und die Zusammenführung braucht Geduld. Bedenken Sie außerdem, dass sich laufende Kosten für Futter, Zubehör und Tierarzt verdoppeln.

Gut abgesichert durch den Katzenalltag

Auch bei einer reinen Wohnungskatze lassen sich Unfälle und Erkrankungen nie ganz ausschließen, vom Sturz beim Klettern bis zum verschluckten Spielzeugteil. Welche Kosten dann entstehen können, zeigt der Ratgeber Tierarztkosten bei Katzen. Für den Fall einer nötigen Operation bietet die Katzen-OP-Versicherung eine Möglichkeit, sich je nach Tarif gegen hohe Rechnungen abzusichern.

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