Warum Pferde-Operationen so teuer sind
Bei einem Tier von mehreren hundert Kilogramm ist nichts klein: Der Ablegeraum für die Narkose, der hydraulische OP-Tisch, das Aufwachboxensystem und die Menge an Medikamenten und Verbrauchsmaterial übersteigen alles, was aus der Kleintiermedizin bekannt ist. Dazu kommt das Personal, denn eine Pferde-OP beschäftigt in der Klinik mehrere Fachkräfte gleichzeitig. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die je nach Aufwand den 1-fachen bis 4-fachen Gebührensatz erlaubt. Im tierärztlichen Notdienst gilt mindestens der 2-fache Satz plus Notdienstgebühr. Da viele Pferde-Notfälle nachts oder am Wochenende passieren, trifft der teurere Notdienstsatz Halter besonders häufig.
Die Kolik-OP: der wichtigste Ernstfall
Die Kolik ist der klassische Notfall im Pferdestall. Hinter dem Sammelbegriff stecken Bauchschmerzen, deren Ursache von einer harmlosen Verstopfung bis zur lebensbedrohlichen Darmverlagerung reicht. Lässt sich die Kolik nicht medikamentös lösen, bleibt oft nur die Bauchhöhlen-OP in der Klinik, und zwar sofort. Der Eingriff gehört zu den aufwendigsten in der Pferdemedizin: Vollnarkose, Eröffnung der Bauchhöhle, unter Umständen Entfernung von Darmabschnitten, danach tagelange intensivmedizinische Überwachung. Die Gesamtkosten erreichen ohne Weiteres mehrere tausend Euro, je nach Verlauf und Nachsorge auch deutlich mehr. Wie Sie eine Kolik früh erkennen, lesen Sie im Ratgeber Koliksignale früh erkennen.
Gelenkchips: das Thema bei Jungpferden
Bei jungen Pferden werden im Rahmen von Röntgenuntersuchungen häufig sogenannte Chips entdeckt, kleine Knochen- oder Knorpelfragmente im Gelenk (Osteochondrose, OC/OCD). Sie werden meist arthroskopisch entfernt, bevor sie das Gelenk dauerhaft schädigen. Eine Chip-OP beim Jungpferd kostet im Schnitt rund 4.000 Euro. Auch das ist kein Einzelfall unter den planbaren Eingriffen: Eine Fasziotomie, ein Eingriff an den Faszien, liegt laut einem Schadenbeispiel aus den Unterlagen des Versicherers bei etwa 4.500 Euro.
Weitere typische Eingriffe
- Frakturen: Griffelbeinbrüche und andere Frakturen entstehen auf der Weide, im Sport oder durch Tritte in der Herde und müssen häufig operativ versorgt werden.
- Kehlkopf-OPs: Beim sogenannten Kehlkopfpfeifen kann ein operativer Eingriff die Atmung verbessern.
- Zahnextraktionen: Das Ziehen eines Backenzahns beim Pferd ist ein echter chirurgischer Eingriff unter Sedierung oder Narkose, kein Routinetermin.
- Wundversorgung: Größere Verletzungen, etwa nach einem Zaununfall, müssen oft unter Sedierung genäht werden.
Zum eigentlichen Eingriff kommen regelmäßig Voruntersuchungen mit Bildgebung wie Röntgen oder Ultraschall, die Klinikunterbringung über mehrere Tage und die Nachbehandlung mit Verbandswechseln, Medikamenten und Kontrollterminen. Diese Posten summieren sich zusätzlich zur OP-Rechnung.
So sichern Sie sich ab
Genau für diese Eingriffe gibt es die Pferde-OP-Versicherung in drei Varianten. Sie erstattet bis zum 2-fachen GOT-Satz, im Premium-Schutz bei Notfällen im tierärztlichen Notdienst sogar bis zum 4-fachen Satz plus Notdienstgebühr. Besonders wichtig für den häufigsten Ernstfall: Die Wartezeit für die Kolik-OP beträgt nur 5 Tage. Versicherbar sind Pferde und Ponys bis einschließlich 19 Jahre. Wie sich die GOT generell auf Tierarztrechnungen auswirkt, erklärt der Ratgeber Tierarztkosten und die GOT.