Koliksignale früh erkennen

Bei einer Kolik zählt jede Stunde. Wer die Warnzeichen kennt und schnell reagiert, verbessert die Chancen seines Pferdes erheblich.

Illustration: Ein liegendes Pferd blickt zu seiner Flanke, daneben ein Warnzeichen
Wichtig vorab: Eine Kolik ist immer ein Notfall. Rufen Sie im Verdachtsfall sofort Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt an, auch nachts und am Wochenende. Warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird. Dieser Artikel hilft beim Erkennen der Anzeichen, er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

Was hinter dem Begriff Kolik steckt

Kolik ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern der Sammelbegriff für Bauchschmerzen beim Pferd. Die Ursachen reichen von Krämpfen und Verstopfungen über Gasansammlungen bis zu Darmverlagerungen, die nur in der Klinik behandelt werden können. Von außen lässt sich nicht unterscheiden, ob es sich um eine leichte oder eine lebensbedrohliche Form handelt. Genau deshalb gilt jeder Verdacht als Notfall. Das Verdauungssystem des Pferdes ist empfindlich: Futterumstellungen, zu wenig Wasser, Stress oder Wetterumschwünge können eine Kolik begünstigen.

Die typischen Warnzeichen

Viele Koliken kündigen sich mit unauffälligen Verhaltensänderungen an, bevor die deutlichen Symptome kommen. Achten Sie auf diese Signale:

  • Scharren mit den Vorderhufen, oft ohne erkennbaren Grund, auch in der Box
  • Flankenblick: Das Pferd dreht den Kopf zum Bauch und schaut oder beißt zur Flanke
  • Wälzen oder wiederholtes Hinlegen und Aufstehen, teils heftig und ohne anschließendes Schütteln
  • Schwitzen ohne Anstrengung, bis hin zu schweißnassen Flanken
  • Unruhe oder auffällige Apathie: Manche Pferde laufen rastlos umher, andere stehen teilnahmslos in der Ecke und verweigern das Futter
  • Fehlender oder veränderter Kotabsatz und wenig bis keine Darmgeräusche
  • Aufgeblähter Bauch oder eine angespannte Bauchdecke
  • Häufiges Gähnen, Zähneknirschen oder Aufstellen der Oberlippe als Schmerzzeichen

Nicht jedes Pferd zeigt alle Symptome, und stoische Tiere leiden oft still. Wer sein Pferd täglich beobachtet, erkennt Abweichungen vom normalen Verhalten am schnellsten. Auch Fressunlust allein ist bei einem sonst verfressenen Pferd ein ernstzunehmendes Zeichen.

Bis der Tierarzt eintrifft: das können Sie tun

Nach dem Anruf in der Praxis gilt: Ruhe bewahren und das Pferd im Blick behalten. Entfernen Sie das Futter aus der Box, Wasser darf in der Regel stehen bleiben, sofern die Tierarztpraxis nichts anderes sagt. Notieren Sie, seit wann die Symptome bestehen, wann das Pferd zuletzt Kot abgesetzt hat und was es gefressen hat. Diese Angaben helfen bei der Untersuchung. Ein ruhiges Führen im Schritt kann sinnvoll sein, wenn das Pferd gehen mag; zwingen Sie es aber zu nichts und bringen Sie sich nicht in Gefahr, wenn es sich heftig wälzt.

Genauso wichtig ist, was Sie nicht tun sollten: Geben Sie keine Schmerzmittel oder Hausmittel auf eigene Faust. Schmerzmittel können das Bild verschleiern und der Tierärztin die Einschätzung erschweren, ob eine OP nötig ist. Auch stundenlanges Longieren oder Treiben gehört nicht zur Ersten Hilfe.

Wenn es zur Klinik geht

Lässt sich die Kolik vor Ort nicht beheben, überweist der Tierarzt in die Klinik. Dort entscheidet sich, ob Medikamente und Infusionen ausreichen oder eine Bauchhöhlen-OP nötig ist. Organisieren Sie frühzeitig einen Hänger und klären Sie, welche Klinik in Ihrer Region rund um die Uhr operiert; im Ernstfall spart das wertvolle Zeit. Eine Kolik-OP mit anschließender Intensivbetreuung gehört zu den teuersten Behandlungen in der Pferdemedizin. Was solche Eingriffe kosten können, zeigt der Ratgeber Pferde-OP: typische Eingriffe und Kosten.

Vorbeugen im Alltag

Ganz verhindern lässt sich eine Kolik nicht, aber das Risiko lässt sich senken: Futterumstellungen langsam über mehrere Wochen gestalten, jederzeit frisches Wasser anbieten, ausreichend Raufutter und Bewegung einplanen und regelmäßige Zahnkontrollen wahrnehmen, damit das Futter gut gekaut wird. Besprechen Sie Fütterung und Haltung im Zweifel mit Ihrer Tierarztpraxis.

Für den finanziellen Ernstfall gibt es die Pferde-OP-Versicherung: Dort beträgt die Wartezeit für die Kolik-OP nur 5 Tage.

Passende Artikel