Weidesaison: worauf Halter achten sollten

Endlich wieder Gras unter den Hufen: Der Weidestart ist für Pferde ein Höhepunkt des Jahres. Damit er gut verläuft, kommt es auf Vorbereitung an.

Illustration: Ein Pferd grast auf einer eingezäunten Weide unter der Sonne

Langsam anweiden: der wichtigste Grundsatz

Nach dem Winter ist der Verdauungstrakt des Pferdes auf Heu eingestellt. Junges Weidegras ist dagegen reich an Zucker und Fruktanen und stellt den Darm vor eine völlig neue Aufgabe. Wer sein Pferd von einem Tag auf den anderen stundenlang grasen lässt, riskiert Verdauungsprobleme bis hin zur Kolik und bei empfindlichen Pferden eine Hufrehe, eine schmerzhafte Entzündung im Huf. Beginnen Sie deshalb mit wenigen Minuten Grasen pro Tag, etwa an der Hand, und steigern Sie die Weidezeit über mehrere Wochen schrittweise. Füttern Sie vor dem Weidegang Heu, damit das Pferd nicht ausgehungert auf die Fläche kommt. Bei Ponys, leichtfuttrigen Rassen oder Pferden mit Stoffwechselproblemen sollten Sie das Anweiden vorab mit Ihrer Tierarztpraxis besprechen.

Giftpflanzen kennen und entfernen

Kontrollieren Sie die Weide vor dem Start und dann regelmäßig auf Giftpflanzen. Besonders bekannt ist das Jakobskreuzkraut mit seinen gelben Blüten: Es schädigt die Leber, bleibt auch getrocknet im Heu giftig und wird von Pferden dort nicht mehr zuverlässig gemieden. Ebenfalls kritisch sind unter anderem Herbstzeitlose, Adlerfarn, Eibe und Robinie am Weiderand sowie Bergahorn, dessen Samen und Keimlinge mit der Weidemyopathie in Verbindung gebracht werden. Entfernen Sie Giftpflanzen mitsamt Wurzel und entsorgen Sie sie so, dass kein Pferd herankommt. Bei Unsicherheit helfen Tierarztpraxis oder Landwirtschaftskammer bei der Bestimmung.

Zäune und Fläche kontrollieren

Ein sicherer Zaun schützt Ihr Pferd und Dritte. Prüfen Sie vor dem Weidestart die komplette Umzäunung: Stehen alle Pfähle fest, sind Litzen und Bänder intakt und gut sichtbar, liefert das Weidezaungerät genügend Spannung? Auch die Tore und die Erdung gehören auf die Checkliste. Suchen Sie die Fläche zusätzlich nach Fremdkörpern ab, etwa Draht, Müll oder Ästen, und ebnen Sie gefährliche Löcher ein. Der Punkt ist nicht nur Tierschutz: Bricht ein Pferd aus und verursacht auf der Straße einen Unfall, haften Sie als Halter, auch ohne eigenes Verschulden. Dagegen sichert Sie die Pferdehalterhaftpflicht ab, der Zaun-Check senkt das Risiko, dass es überhaupt so weit kommt.

Wasser, Schatten und Hufe

Pferde trinken auf der Weide erhebliche Mengen, an warmen Tagen deutlich mehr als im Stall. Stellen Sie eine zuverlässige Wasserversorgung sicher und reinigen Sie Tränken und Bottiche regelmäßig, damit sich keine Algen und Keime ansammeln. Wichtig sind außerdem Schattenplätze durch Bäume oder einen Unterstand sowie Schutz vor Dauerregen. Denken Sie auch an die Hufe: Auf wechselnd feuchten und harten Böden verändert sich das Hufhorn, regelmäßige Termine beim Hufschmied oder Hufpfleger bleiben in der Weidesaison genauso wichtig wie im Winter.

Insekten und Herde

Mit dem Sommer kommen Fliegen, Bremsen und Mücken. Fliegenmasken, Ekzemerdecken für empfindliche Pferde und insektenarme Weidezeiten am frühen Morgen oder Abend entlasten die Tiere spürbar. Kontrollieren Sie Ihr Pferd beim täglichen Absammeln auch auf Zecken und kleine Wunden. Und schließlich die Herde: Neue Weidepartner sollten sich zunächst über den Zaun kennenlernen, bevor sie gemeinsam auf die Fläche gehen. In den ersten Tagen einer neuen Gruppe sind Rangeleien normal, echte Tritte und Bissverletzungen aber ein häufiger Grund für Tierarztbesuche in der Weidezeit.

Tägliche Kontrolle nicht vergessen

Auch auf der besten Weide gilt: mindestens einmal täglich nach dem Pferd sehen. Frisst es normal, bewegt es sich klar, gibt es Verletzungen? Wer sein Pferd täglich kurz durchcheckt, erkennt Probleme wie beginnende Lahmheiten, Schwellungen oder Koliksignale früh. Bei Auffälligkeiten gilt wie immer: lieber einmal zu oft die Tierarztpraxis anrufen als einmal zu wenig.

Verletzungen durch Tritte, Zaununfälle oder Weideunfälle gehören zu den typischen Auslösern für Operationen beim Pferd. Für diesen Ernstfall gibt es die Pferde-OP-Versicherung, bei Unfällen ohne Wartezeit.

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